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Alles ist Gift.

Nichts ist ohne Gift.

Die Menge macht das Gift.“

Paracelsus (1493 – 1541)

 

Der Umgang mit der Natur und ihr Verständnis hat sich in den zwei Jahrtausend grundlegend verändert.

Heute können wir uns das Verständnis über die Wirkungen der Pflanzen durch die Chemie annähern. Was vorher auf Erfahrung durch „actio et reactio“ beruhte, kann heute schon im Vorfeld auf die wahrscheinliche Verwertbarkeit untersucht werden.

Diese Auflistung der wichtigsten und interessantesten Heilkräuter und Nahrungsmittel ist mit den heutigen Erkenntnissen verknüpft worden und hat zur besseren Übersicht eine Einführung in die wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanzen vorangestellt bekommen.

Diese Sammlung befindet sich in einem konstanten Aufbau und der erste Schritt ist getan...


HINWEIS: Dies soll keine Anleitung für eine Eigentherapie sein! Sprechen Sie vorher immer mit einem Arzt oder Heilpraktiker!

 

 

Alkaloide

Dies sind relativ kompliziert aufgebaute, stickstoffhaltige, organische Verbindungen die einen meist basischen Charakter haben. Sie bestehen fast ausschließlich aus den Arminosäuren Prolin (Ornithin), Lysin, Phenylalanin und Tryptophan.

In der Regel sind es feste, seltener flüssige, farblose Substanzen.

Werden Alkaloidbasen Säuren zugegeben, entstehen in der Regel lösliche Salze. Die Alkaloidbasen sind meist lipophil1, während die Alkaloidsalze hydrophil2 sind.

Sie werden über die Haut und Schleimhäute gut aufgenommen und im Körper verteilt.

Die stärksten bekannten Pflanzengifte finden sich in dieser Gruppe (z.B. Atropin der Nachtschattengewächse)!3

In der angemessenen Dosis können sie sehr wirksame Heilmittel sein, da Alkaloide spasmolytisch 4, bakterizid5 und antimykotisch6 wirken. Außerdem beeinflussen sie das parasympatische Nervensystem in dämpfender bis narkotisierender Weise.

 

Amine

Dies sind Derivate7 von Arminosäuren. Es sind auch organische Verbindungen die Stickstoff enthalten. Sie sind weniger kompliziert aufgebaut und kommen auch bei Tieren und Menschen vor.

 

Ätherische Öle

Dies sind starkriechende, leicht flüchtige, lipophile8 Substanzen die durch Wasserdampfdestillation, Auspressen oder Extraktion mit lipophilen Lösungsmitteln, Fetten oder überkritischen Gasen9 aus Pflanzenteilen gewonnen wird.

Die allgemeinen Wirkungen sind: antibakteriell, hautreizend, expektorierend10,

karminativ11, cholagog12, diuretisch13 und magensekretionssteigernd.

 

Bitterstoffe

Den Bitterstoffen werden keine einheitliche chemische Gruppen zugeordnet. Sie zeichnen sich aber durch den bitteren Geschmack und der damit verbundenen reflektorische Sekretion der Verdauungsdrüsen aus.

 

Flavonoide

Dies sind meist gelbfärbend, stickstofffreie phenolische14 Pflanzenstoffe die in der Pflanze glykosidisch15 in den Blättern, dem Holzparenchym oder den Sekretgängen gelöst sind.

Sie wirken diuretisch16 und spasmolytisch17, bei Venenerkrankungen und Durchblutungsstörungen. Wegen der positiven Beeinflussung der Kapillarpermiabilität18 werden Flavonoide auch als Vitamin-P-Faktor bezeichnet.

 

Gerbstoffe

Mit diesen Stoffen wurden, und werden teilweise noch, Häute zu Leder gegerbt, daher die Bezeichnung. Die Gerbstoffe (Oligo- und Polyphenole) haben die Eigenschaft Kollagen19 zu binden.

Sie bewirken eine Koagulationsmembran20 auf Schleimhäuten, wirken reizmildernd, antiphlogistisch21, antimikrobiell und sekretionshemmend.

 

Glykosoide

Diese Gruppe umfaßt organische Verbindungen, auch viele Flavonoide und Saponine, die durch Säuren, Basen oder kochen im Wasser in Zucker und andere Bestandteile aufgespalten werden. Diese Löslichkeit kommt durch die glykosidisch22 eingegangene Verbindung mit den Substituenten der Reaktionspartner.

Die bekannteste Wirkung, ist die der Digitalisglykoside23.

 

Saponine

Die Bezeichnung kommt von Sapo (lat.) was Seife bedeutet. Es sind oberflächenaktive24 Phytosterine die mit Wasser einen haltbaren Schaum bilden.

Sie verteilen andere Stoffe sehr fein, dispergieren25 feste Stoffe, emulgieren26 flüssige und schäumen mit gasförmigen auf.

Dadurch wird die Resorption über die Haut verbessert, reizen die Schleimhäute und regen die Drüsensekretion an.

Einige der Saponine sind starke Blutgifte, wenn sie intravenös gegeben werden.27

Chemisch sind die Saponine wie Glykoside aufgebaut, d. h. sie besitzen eine Zuckerkomponente.

 

 

Schleimstoffe

Die pflanzlichen Schleimstoffe findet man in den Membranen und Vakuolen der Zelle. Sie quellen in Verbindung mit Wasser auf und bilden eine mehr oder weniger stark viskose Flüssigkeit. Chemisch sind sie aus Kohlenhydraten28 aufgebaut, auch sie sind oberflächenaktiv29 und neutralisieren Säuren.

Durch die Viskosität werden die Gewebe, z. B. die Schleimhäute, überzogen und es wird dadurch ein effektiver Schutz gegen infektauslösende Erreger gebildet. Durch den basischen Charakter werden Säuren z.B. im Magen neutralisiert.

 

1 fettliebend = Lipophile Substanzen sind in Fetten, aber nicht in Wasser, löslich.

2 wasserliebend = Hydrophile Substanzen sind in Wasser, aber nicht in Fetten, löslich.

3 Sie werden meist in den Wurzeln gebildet und in den Blättern gelagert.

4 entkrampfend

5 keimtötend

6 pilztötend

7 lat. derivare = ableiten

8 s.a. Anm. 1

9 durch hohen Druck und Temperatur verflüssigtes Gas

10 auswurffördendes Mittel, da schleimhautreizend oder reflektorisch wirkend

11 Mittel gegen Blähungen

12 galletreibendes Mittel

13 Harnausscheidung wird verstärkt

14 Aromatische Hydroxyverbindungen, d.h. eine oder mehrere Hydroxylgruppen (-OH) sind am Benzolring gebunden. Phenole sind kristalline Stoffe mit bakterizider Wirkung, die auch schwache Säuren sind.

15 eine unter Wasserabspaltung eingegangene Verbindung

16 s.a. Anm. 12

17 s.a. Anm. 4

18 die Durchlässigkeit der Kapillaren

19 Struckturprotein das v.a. aus Monoaminosäuren besteht. Es kommt in der extrzellulären Matrix, wie Sehnen und Bänder, als auch beim Aufbau des Zytoskelett (Zellskelett) vor.

20 Koagulation ist die Gerinnung von kolloidalen Stoffen, z.B. Eiweiß, durch Hitze, elektrolyte oder Enzyme.

21 entzündungshemmend wirkend

22 s.a. Anm. 14

23 Herzwirksame Glykoside werden in die Cardenolidgruppe, z. B. Fingerhut, und die Bufadienolidgruppen, z. B. schwarze Nieswurz, eingeteilt.

24 sie ziehen nicht in die Haut ein

25 lat. Zerstreuung

26 eine starke Vermischung zweier oder mehrerer Stoffe ohne feststellbare Entmischung

27 z.B. das Saponin der Knolle des Alpenveilchens, das als Pfeilgift benutzt wurde.

28 hochpolymere Verbindungen aus z.B. Glucose oder verwandten Stoffen wie z.B. Glucuronsäure

29 s.a. Anm. 23

 

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